Wie lange reicht mein Ruhestandsvermögen?
Zuletzt aktualisiert 2026-07-08
Die Frage "Wie lange reicht mein Ruhestandsvermögen?" hat keine pauschale Antwort — sie hängt davon ab, wie viel Sie gespart haben, wie viel Sie jährlich ausgeben, wie Ihr Portfolio angelegt ist und wie stark die Inflation Ihre Kaufkraft im Laufe der Zeit mindert. Die gute Nachricht: Die Mathematik dahinter ist gut verstanden, und Sie können Ihre eigene Situation präzise modellieren, statt zu raten.
Die sichere Entnahmerate: Ihr Ausgangspunkt
Die am häufigsten zitierte Regel in der Ruhestandsplanung ist die 4%-Regel: Entnehmen Sie im ersten Ruhestandsjahr 4% Ihres Portfolios und passen Sie diesen Betrag anschließend jedes Jahr an die Inflation an. Historisch betrachtet hat ein diversifiziertes Portfolio (etwa 60% Aktien, 40% Anleihen) mit einer Entnahmerate von 4% in der überwiegenden Mehrheit der historischen Marktszenarien in den USA mindestens 30 Jahre überstanden — auch in Zeiträumen, die kurz vor größeren Crashs begannen.
Eine Entnahmerate von 4% impliziert ein Portfolio in Höhe des 25-Fachen Ihrer jährlichen Ausgaben — daher stammt die populäre "25x-Regel". Wer 60.000 € im Jahr ausgibt, für den ist ein Portfolio von 1,5 Millionen € bei einer Entnahmerate von 4% darauf ausgelegt, drei Jahrzehnte oder länger zu reichen.
Warum eine einzelne Prozentzahl nicht das ganze Bild zeigt
Die 4%-Regel ist ein nützlicher Ankerpunkt, wurde aber aus einem bestimmten historischen Datensatz und einer bestimmten Asset-Allokation abgeleitet. Ihre tatsächliche Reichweite hängt von mehreren Variablen ab, die eine statische Regel nicht erfassen kann:
- Ihre Entnahmerate. Senken Sie sie auf 3,5%, kann Ihr Geld plausibel unbegrenzt reichen; überschreiten Sie 5%, erhöhen Sie das Risiko, zu Lebzeiten kein Geld mehr zu haben, deutlich.
- Ihre Anlagerenditen vor und nach dem Ruhestand. Eine offensivere Allokation kann Ihre Reichweite verlängern, erhöht aber die Volatilität genau dann, wenn Sie sich eine schlechte Renditeabfolge am wenigsten leisten können.
- Das Risiko der Renditereihenfolge. Ein Markteinbruch in den ersten Ruhestandsjahren schadet weit mehr als derselbe Einbruch ein Jahrzehnt später, weil Sie zur Finanzierung der Entnahmen Vermögenswerte zu gedrückten Preisen verkaufen müssen.
- Inflation. Wenn Ihre Entnahmen mit der Inflation steigen, Ihr Portfolio aber nicht mithält, verkürzt sich Ihre Reichweite, auch wenn der entnommene Eurobetrag unverändert erscheint.
- Größere Einmalausgaben — ein neues Dach, eine Hochzeit, ein medizinischer Notfall — die in einer pauschalen jährlichen Entnahmeannahme nicht auftauchen.
So berechnen Sie Ihre eigene Ruhestandsreichweite
Statt sich auf eine Faustregel zu verlassen, können Sie eine jahresgenaue Simulation durchführen: Starten Sie mit Ihrem aktuellen Portfolio, wenden Sie Ihre erwarteten Anlagerenditen vor und nach dem Ruhestand an, ziehen Sie Ihre inflationsbereinigte jährliche Entnahme ab und ermitteln Sie genau, in welchem Jahr (falls überhaupt) Ihr Kontostand auf null sinkt.
Genau das leistet unser Ruhestandsrechner. Geben Sie Ihr aktuelles Vermögen, die erwarteten monatlichen Ausgaben, die Renditeannahmen vor und nach dem Ruhestand sowie die Inflationsrate ein, und er zeichnet Ihre gesamte Vermögensentwicklung — einschließlich des genauen Alters, in dem Ihr Geld voraussichtlich aufgebraucht ist, falls es überhaupt so weit kommt.
Ein Rechenbeispiel
Nehmen wir jemanden, der mit 60 Jahren mit einem Portfolio von 1,2 Millionen € in den Ruhestand geht und 55.000 € im Jahr ausgibt (eine anfängliche Entnahmerate von rund 4,6%), bei erwarteten durchschnittlichen Renditen von 5% nach dem Ruhestand und 3% Inflation. Das ist eine höhere Entnahmerate als bei der klassischen 4%-Regel, sodass die Reichweite deutlich kürzer als 30 Jahre ausfällt — vermutlich eher 22-25 Jahre, was ein Risiko in den mittleren bis späten 80ern bedeutet, je nachdem, wie sich die Märkte tatsächlich entwickeln. Eine Reduzierung der Ausgaben auf 48.000 € (eine Rate von 4%) oder ein um einige Jahre späterer Ruhestand, um das Portfolio weiter wachsen zu lassen, würde diese Reichweite spürbar verlängern.
Zwei deutsche Besonderheiten fehlen in dieser reinen Portfoliorechnung: Ab 63 kommt die gesetzliche Rente hinzu und entlastet die Entnahme erheblich — wer vorher aufhört, muss die gesamte Zeit überbrücken (siehe Vorruhestand berechnen). Und steht eine Betriebsrente zur Auszahlung an, verändert die Wahl zwischen Rente oder Kapital die Reichweite Ihres Portfolios deutlich.
Das Wichtigste in Kürze
Ihr Ruhestandsvermögen reicht so lange, wie es Ihre Entnahmerate, Renditen und Inflation zulassen — und schon kleine Änderungen bei diesen drei Stellschrauben führen über 20-30 Jahre zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Modellieren Sie Ihre konkreten Zahlen, statt anzunehmen, dass eine generische Regel auf Sie zutrifft.